Unterlassene Basisdiagnostik: Grober Behandlungsfehler

Die unterlassene Basisdiagnostik stellt einen groben Behandlungsfehler dar; OLG Celle, Urteil v.4.6.2018 Az. 19 O 286/13

Leitsatz: Eine Ärztin muss als extrem schmerzgeplagte Patientin  dem aufgesuchten Internisten ihre eigene Krankengeschichte nicht selbstständig schildern.

Eine Frauenärztin suchte den sie seit Jahren behandelnden Internisten wegen plötzlich starker Kopfschmerzen auf. Behandelt wurde sie von dem Vertreter des Internisten. Nach einer erfolgten CT-Aufnahme ohne Befund empfahl er ihr Ibuprofen.

Eine weitere körperliche Untersuchung fand nicht statt. Es kam, wie es nicht kommen sollte: Die Schmerzen wurden noch stärker und sie wurde ins Krankenhaus mit Verdacht auf Krampfanfall eingewiesen. Dort stellte man einen Hirnvenenverschluss fest. Sie wurde sofort operiert.

Danach forderte sie Schadensersatz und Schmerzensgeld ein. Die Sache wurde strittig verhandelt und kam vor das OLG Celle.

Das entschied, dass die unterbliebene Diagnostik als grober Behandlungsfehler zu werten sei. Es führte u.a. aus, dass eine klinische Untersuchung notwendig gewesen wäre, die den neurologischen Status hätte umfassen müssen, um über eine weitere Diagnostik entscheiden zu können.

Auch sei die Patientin nicht verpflichtet gewesen, in ihrem Zustand den Behandler eine vollständige Vorgeschichte zu liefern. 

Das OLG hat mittelbar klar festgestellt, dass eine vordergründige Diagnostik nicht ausreicht, sondern bei unerklärlichen Gründen eine genauere Diagnostik stattfinden muss. Im Allgemeinen sollte man immer vom größten anzunehmenden Unfall ausgehen.